Ein schlafender Mann. Er wirft sich im Bett hin und her. Ein Alptraum. In Schwarz-Weiß versteckt sich ein kleiner Junge. Frauenschreie ertönen. Und dann wird er doch entdeckt. „Nein“ hallt es durch den Kinosaal und so manche Frau neben mir starrt leicht schockiert auf die Leinwand. Ja, genau so düster beginnt der Film, den wir zwei Jahre lang sehnsüchtig erwarten haben. Es ist Premierentag und ich sitze in einer englischen Originalaufführung. „50 Shades of Darker“ lässt schon in den ersten Sekunden erahnen, dass es diesmal etwas düsterer zugeht.

Zwischen Wissen, Erwartungen und Neugier

Ich rutsche gespannt auf meinem Kinosessel hin und her. Es ist eine Vorabendvorstellung und dennoch ist der Saal gut gefüllt. Ich bin erneut überrascht (wie schon vor zwei Jahren), dass der Film mit Christian beginnt – ist doch auch der zweite Teil aus Sicht von Anastasia geschrieben. Doch mit dem Vorspann kann ich auch die ersten Blicke auf das traurige Mädchen erhaschen. Eine ruhige Bildsprache mit hochwertigen Einstellungen führt mich in die Stimmung ein: Eine Fahrt über die Skyline der Großstadt, ein Klopfen, eine Großaufnahme von Rosen, Verlagerung auf Ana. Eine Visitenkarte leuchtet im wirklich voluminösen Strauß weißer Rosen. Nahaufnahme beim Lesen – Christian Grey. Dazu erklingen die Töne des Coldplay-Originals „The Scientist“. Doch hier bittet eine weibliche Stimme um Vergebung: „Ich komm, um dich zu sehen, dir zu sagen, dass es mir leidtut …“ Mit diesen wenigen, aber simplen Mitteln bin ich sofort wieder in der Geschichte.

Das Ende des ersten Teils flackert vor meinem inneren Auge auf – eine Fahrstuhltür, die sich schließt. Die Macher haben mich in wenigen Sekunden erzählerisch wieder in die Story geholt: Christian. Ana. Sie hat ihn verlassen und leidet. Ein guter Einstieg, wie ich finde.

Verschiedene Szenen aus ihrem neuen, traurigem Alltag folgen. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis die ersten gesprochenen Worte ertönen. Doch sie gelten nicht Christian: „Guten Morgen Mr. Hedy.“ „Jack. Bitte.“ Und schon bin ich als Zuschauer in Anas neuer Welt gelandet: Eine ehemalige Studentin in ihrem neuen Job, der das Herz gebrochen wurde. Allein diese ersten Einstellungen des Filmes versprechen die hochwertige Bildsprache, die schon im ersten Teil eingeführt wurde. Doch etwas scheint anders. Ich kann es nur noch nicht benennen.

Das erste Raunen erklingt durch den Kinosaal erst Minuten später. Ana ist gerade auf der Fotoausstellung in dem Schock, dass alle Bilder Großaufnahmen von ihr sind, als Christian erscheint: Sein Gesicht ist klar, der Hintergrund verschwindet erneut in der Unschärfe. Das Bild zeigt deutlich, worum es hier geht. Das Raunen der Damen um mich herum bestätigt die Wirkung. Die Frau zwei Sitze neben mir raunt ihrer Freundin zu: „Er sieht so gut aus. Ich würde ihn sofort zurücknehmen“. Und damit sind wir mitten in der Story angelangt und verfolgen die nächsten Minuten, ob Christian Erfolg hat.

Mehr Liebesgeschichte und Drama: Doch die Handschrift ist eine andere

Schnell wird mir beim Schauen des Filmes klar, dass der Fokus in diesem Teil woanders liegt: Weg vom viel zerrissenen SM-Sex-Schmuddel-Charakter hin zu den großen Fragen der Liebe, den Kämpfen in einer Beziehung und der Gefühlswelt der Darsteller. Wie schon im Buch tut es der Geschichte gut. Und auch die Fans sind begeistert. „Viel näher am Original“, freuen sie sich.

Im Laufe des Filmes finde ich jedoch den großen Unterschied zum 1. Teil, der mich von Anfang störte. Der Mut zur Lücke ist offenbar mit Regisseurin Sam Taylor-Johnson verschwunden. Dialoge wechseln sich mit Musikuntermalung ab. Nahaufnahmen werden immer wieder mit Sound und Effekten unterlegt. Die Spannung wird audiovisuell erzeugt. Schade. Das hatte mich im ersten Teil sehr beeindruckt. Leider raubt dieses neue Detail mir auch die Faszination bei den Sexszenen. Kaum geht es zur Sache, wird die Musik hochgeschraubt, ja zu einer fast unerträglichen Lautstärke. Anas Stöhnen und Christians Seufzen gehen unter – mit ihnen nicht selten die Leidenschaft.

Auch die Bildsprache der heißen Szenen hat sich verändert: Es scheint so, als habe sich der Fokus von Ana auf Christian verlegt. Von ihm ist mehr nackte Haut ins Szene gesetzt. Ein Tribut an die weiblichen Fans? Während die erste Sexszene noch scheinbar harmlos beginnt – in einem dunklen Raum zunächst nur mit einem Blick auf Silhouetten – scheinen erst später Details und Nahaufnahmen Leidenschaft auszudrücken. Immer wieder ist das Liebesspiel abrupt beendet, kein Höhepunkt zu erkennen. Das enttäuscht mich, denn eigentlich war doch mehr Sex von den Machern im zweiten Teil angekündigt. Lediglich die letzte Sexszene des Filmes kann mich in seiner Intensität überzeugen und mitreißen.

Auch in Sachen Dramaturgie bin ich leider ein wenig enttäuscht – denn der neue Fokus auf die Liebesgeschichte der beiden hätte mehr gebraucht. So mancher Fan bemängelt in seinen Kommentaren, Schlüsselszenen folgen nur belanglos aufeinander. Leider muss ich dieser Kritik streckenweise recht geben. Gerade im ersten Teil des Filmes fehlt der Spannungsbogen: Christian will Ana zurück, Ana geht mit ihm Essen und er erreicht sein Ziel. An diesem Zeitpunkt fühlte ich mich ein wenig gelangweilt. Fehlt hier der innere Monolog von Ana, der über diese Strecken im Buch trägt? Ja, finde ich. Denn im Gegensatz zum ersten Teil ist dieser nicht so stark in Detailaufnahmen und Körpersprache zu finden. Im Laufe der Vorführung gewinnt die Erzählung jedoch wieder an Spannung. Teaser setzen endlich Spannungsmomente, Vorwegnahmen entgegen dem Buch erzählen dem Zuschauer nicht mehr nur chronologisch, was passiert. Der angekündigte Thrillercharakter ist spätestens mit Leila da – es wird düsterer rund um Ana und Christian. Und doch: Im Gegensatz zu Sam Taylor-Johnson hat James Foley meiner Meinung nach ein Rhythmusproblem, denn die Zeitstrecken der Erzählung funktionieren nicht für mich.

Von Schauspielern und Dialogen: Persönliches Empfinden der Leistung

Da können die witzigen Dialoge schon eher punkten, die gegenüber dem Buch erneut gewonnen haben. So mancher Lacher schallt durch den Kinosaal an zunächst unspektakulären Stellen. Gerade in Dakotas Worten schwingen viele zweideutige Botschaften mit. Das Worttiming überzeugt mich auch in einer eher belanglosen Szene wie dem Einkaufen im Supermarkt: Kurze Fragen, pointierte Antworten, begleitet von einem grinsendem Ausdruck auf den Gesichtern der Schauspieler.

Schon im Vorfeld der Filmpremiere kursierten erneut Gerüchte über deren Leistung. Stimmte diesmal die Chemie zwischen Dakota Johnson und Jamie Dornan? Auch ich habe diese Fragen beim Schauen im Kopf. Jamie gewinnt erneut erst im Lauf des Films, besonders stark in den Szenen, in denen er körperlich leidet. Dakota muss sich in eine neue Rolle einfügen: Von der schüchternen Studentin zur selbstbewussten Frau. Das gelingt ihr meiner Meinung nach stellenweise sehr gut. Ihre Mimik verkörpert in zahlreichen Dialogen dieses freche Augenzwinkern, Neugier und Lust kann man von ihren Lippen lesen. Aber gerade die Schlüsselszenen über Christians Trauma enttäuschen mich ein wenig. Sind sie zu kurz? Sind sie zu schwach dargestellt? Das Leid des kleinen Jungen, der große Mühe hat, seiner großen Liebe alles zu erzählen, kommt nicht bei mir an. Auch nicht Anas Erleichterung mit den Worten „Danke, dass du mir das erzählt hast“. Ich bin nicht drin, in diesem Gefühlschaos.

Und die neuen Charaktere? Kim Basinger alias Mrs. Robinson beginnt stark. Doch der kühle Ausdruck verliert sich später in den Dialogen. Sie macht weder Angst, noch schockiert sie. Stattdessen kleben meine Augen nur an dem gelifteten Gesicht, dem jegliche Mimik fehlt. Jack Hyde ist deutlich überzeugender von Eric Johnson dargestellt. Unerhört attraktiv könnte er Jamie Dornan die Show stehlen, wäre nicht dieser bedrohliche und böse Ausdruck permanent in seinen Augen. Die Schlussszene ist eines seiner größten Momente.

Zwei Seiten der Medaille: Leise und laute Kritiken

Ich bin gespaltenen und so manche Stimme in sozialen Netzwerken scheint das ebenfalls zu sein – obwohl deutlich in der Minderheit. Hier zeigen sich Fans vor allem enttäuscht über fehlende Szenen und ganze Charaktere. So scheinen sich einige Leser statt in Christian Grey in Dr. Flynn verliebt zu haben – so schmerzlich vermissen sie ihn in der Verfilmung. Auch Kates Bruder Ethan wurde kurzerhand aus dem Drehbuch geschmissen. Für manche Fans ist das offenbar eine Überraschung, war doch Schauspieler Hugh Dancy für ihn vorgestellt. Ihnen fehlen lieb gewonnene Szenen – keine Therapiesitzung in Film Nummer 2. Hier weiß ich als Profi der bewegten Bilder, dass längst nicht alle Details eines Buches in 118 Minuten Film hineinpassen können und kann dies nicht als Mangel entdecken.

Aber es ist nicht nur das: Auch Bilder aus dem Trailer werden schmerzlich vermisst. So zeigt ein Teaser Ana und Christian am Billardtisch. Doch im Film ist nichts von dieser Spielszene zu finden. Wurde sie für die „extended version“ aufgehoben? Auch die Synchronstimmen scheinen erneut nicht den Geschmack der deutschen Fans zu entsprechen. „Zu piepsig“, „zu weich“. Da kann ich nun nicht mitreden und empfehle jedem, sich die englische Originalfassung anzuschauen.

„Der Film hat 9 Fehler“, schreibt ein enttäuschter Fan. Fehler? Welche Fan hat zwischen Liebesschwüren, angstvollem Bangen und sexueller Energie Zeit, auf solche Details zu achten? Ich. Vielleicht leider. Denn auch mir fallen so manche Fehler in der Erzählung, die mich dann doch auch erheblich stören. So haben die Macher nicht darauf geachtet, dass Christian Anastasia aus den gleichen Dessous schält, die sie in der Szene nur kurze Minuten vorher anzog. Plötzlich taucht ein Bart auf, der morgens noch nicht da war. In der nächsten Szene ist er verschwunden. Sollte das ein gestalterisches Mittel dafür sein, um den Zuschauer das Gefühl von vergangener Zeit zu geben – so funktioniert es bei mir nicht und ruft nur Irritation hervor.

Fazit: Hat sich der Wechsel der Macher gelohnt?

Und dennoch: In der Schlussszene erwische ich mich selbst mit einem Lächeln auf den Lippen. Die Liebe der beiden hat mich schlussendlich erreicht. Ein versöhnliches Gefühl. Als ich den Kinosaal verlasse, stehen Scharen von Mädchengruppen ungeduldig wartend davor. In 10 Minuten beginnt die nächste Vorstellung. Mit Popcorn bewaffnet entern sie den Kinosaal, um endlich einen Blick auf Christian und Anas weitere Geschichte werfen zu können. „Lohnt es sich?“, fragt mich eine von ihnen.

Für den Fan allemal, der nichts von Dramaturgie, Bildsprache und Musikbegleitung versteht. Für Freunde der großen Gefühle ist die Fortsetzung DER Film des Jahres – und damit eine glatte 1! Die Verlagerung des Fokus weg vom Sadomaso zur Beziehung des Paares scheint genau im Sinne aller Fans zu sein. Für den Filmkritiker ist ebenfalls viel zu finden, ob positiv oder negativ bleibt jedem überlassen. Für mich gab es auch einige Schwachstellen, so dass es nur für eine 2- reicht.

Und übrigens: Auch beim Abspann lohnt es sich, sitzenzubleiben – für denjenigen, der einen Ausblick auf Teil 3 erhaschen will.

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