Anastasia Steele

Ein blasses Mädchen mit widerspenstigen braunen Haaren, Pferdeschwanz und „viel zu großen Augen“ (Bd. 1, S. 7) stolpert eines Tages über ihre eigenen Füße in das Büro von Christian Grey (Bd. 1, S. 12). Die Studentin englischer Literatur sitzt „am liebsten mit einem britischen Klassiker allein in der Unibibliothek. Viel lieber als in einem Monstrum aus Glas, Stahl und Sandstein“ (Bd. 1, S. 10). Anas Kleiderschrank gibt nicht viel her, so dass sie zum Interview des millionenschweren „Industriemagnaten“ in marineblauer Jacke, ihrem einzigen Rock, bequemen Kniestiefeln und einem blauen Pullover erscheint (Bd. 1, S. 9).

Die Einundzwanzigjährige lebt bescheiden. Sie hat einen Studentenjob im Baumarkt, schreibt eine Seminararbeit über „Thomas Hardys Tess von den d´Urbervilles“ und lernt fleißig für ihre Abschlussprüfung. Bücher sind „ihr Ding“: „Klassiker. Hauptsächlich britische Literatur (Bd. 1, S. 35)“. Sie wohnt mit ihrer besten Freundin zusammen, von der sie sich gelegentlich das ein oder andere schickere Outfit ausleiht.

Nach erfolgreichem Abschluss ihres Studiums beginnt sie einen Job als Assistentin in einem Verlag. Ana ist anfangs unsicher und linkisch, oft kommt sie sich völlig fehl am Dakota Platz vor. Sie ist lieb und hilfsbereit und bleibt gern „im Hintergrund“, verfügt aber über Humor, Intelligenz und Mut. Die Männerwelt reagiert allerdings auf das graue Mäuschen, allen voran Christian Grey: Seit ihrer ersten Begegnung ist Anas Wirkung auf Christian intensiv und unwiderstehlich: „Ein Geschöpf mit langen kastanienbraunen Haaren, blassen Armen und Beinen und braunen Stiefeln stolpert mit dem Kopf voran in mein Büro.“ „Als ihre klaren, strahlend blauen Augen mich verlegen anblicken, stutze ich. Sie haben eine höchst ungewöhnliche Farbe – Taubenblau -, und einen Moment habe ich das Gefühl, dass sie in mein Innerstes sehen kann“ (Bd. 3, S. 645). Er bewertet „die Kleine“ als „viel zu jung“ für sich. „Sie ist auf unbeholfene Weise attraktiv – zierlicher Körper, blasse Haut, mahagonifarbene Mähne, durch das Haarband kaum gebändigt. Eine Brünette. Ja, sie ist attraktiv… Ihre Haut ist kühl und weich, ihr Händedruck erstaunlich fest“ (Bd. 3, S. 646). Sie hat eine „melodische Stimme“. „Ein nervöser, schüchterner Bücherwurm? Ja, sie sieht ganz so aus mit dem unförmigen Pullover, unter dem sie ihren zierlichen Körper verbirgt, und dem braunen Rock. Mann, hat sie denn keinen Geschmack?“ (Bd. 3, S. 646). Er hält sie für sanft und unterwürfig. „Sie hat ein feines Profil – Himmelfahrtsnase und weiche, volle Lippen“ (Bd. 3, S. 647). Anas Erscheinung entfacht bei Christian sogleich starke sexuelle Phantasien, obwohl er sie doch für „ein Mäuschen“ hält (Bd. 3, S. 649). „Das Mädchen ist ein einziger großer Widerspruch: schüchtern, unsicher, offensichtlich intelligent und mörderisch sexy. Ja, okay, ich geb’s zu: Die Kleine macht mich total an“ (Bd. 3, S. 651). Mit ihrer typischen Geste, sie kaut häufig an ihrer Lippe, törnt sie ihn unwiderstehlich an. „Sie bringt mich wieder genauso aus dem Konzept wie bei unserer ersten Begegnung“ (Bd. 3, S. 660). Anastasia hat mit Christians Worten gesprochen lange Beine, eine „schmale Taille“ und „perfekte Titten“ (Bd. 3, S. 661). Er bewundert ihren „fantastischen Hintern“. „Sie ist wirklich perfekt: liebenswürdig, höflich und hübsch, mit allen körperlichen Attributen, die ich an einer Sub schätze“ (Bd. 3, S. 661 – 662).

SpielzimmerEr hofft, sich das unerfahrene Mädchen zur „Sub“ heranziehen zu können, beißt dabei allerdings bei Ana auf Granit. Anastasia ist die Unschuld par excellence: Die junge Frau wirkt nervös in Gegenwart von Männern und hatte noch nie einen Freund. Sie ist noch Jungfrau, und ihr ist noch nie der Gedanke gekommen, sich selbst zu befriedigen. „Christian Grey hält meine Hand. Niemand hat je zuvor meine Hand gehalten“ (Bd. 1, S. 50). Ihre Mutter macht sich Sorgen, dass die Tochter immer noch keinen Freund hat. „Hast du jemanden kennen gelernt?“ (Bd. 1, S. 29). Aber Ana ist noch kein Mann begegnet, bei dem sie „weiche Knie und Schmetterlinge im Bauch“ kriegt (Bd. 1, S. 31). Sie fragt sich manchmal, ob mit ihr etwas nicht stimmt, ob sie zu viel Zeit mit den romantischen Helden aus ihren Büchern verbringt und ihre Erwartungen zu hoch steckt (Bd. 1, S. 31). Christian Grey ist der erste Mann, der Anastasia erotisch anzieht. Und er bleibt der einzige Mann. „Kein Mann hat je eine solche Wirkung auf mich ausgeübt wie Christian Grey“ (Bd. 1, S. 23). „Zum ersten Mal in meinem einundzwanzigjährigen Leben möchte ich geküsst werden“ (Bd. 1, S. 57). „In der Liebe habe ich mich nie so weit aus dem Fenster gelehnt. Das liegt an meiner lebenslangen Unsicherheit. Ich bin zu blass, zu dünn, zu linkisch und so weiter und so fort. Also habe ich immer potentielle Verehrer abgewiesen… mich hat niemals jemand wirklich interessiert – nur dieser verdammte Christian Grey“ (Bd. 1, S. 60).

Sex 1Einmal vom Sex-Gott wachgeküsst und verführt, erweist sich die Unschuld mit ihrer „inneren Göttin“ als sexuelles Naturtalent ohne Hemmungen und wird zur Traumfrau jeglicher Männerphantasie. Dem zunächst unscheinbaren Mäuschen gelingt, was keine Frau vor ihr geschafft hat: Mr. Grey verliebt sich, muss erstmals eine echte Beziehung mit einer Frau führen, nimmt sie zur Ehefrau und gründet mit ihr eine Familie. Ana wiederum wandelt sich vom unerfahrenen Mädchen zur perfekten Geliebten, Ehefrau und Mutter. Unter Christians Einfluss mausert sie sich zur perfekt gestylten Traumfrau. Miss Steele entpuppt sich als hart wie Stahl (= Steel) und willigt niemals in den Vertrag ein, der sie unterwerfen und zur Sexsklavin machen soll. Denn Ana eignet sich nicht wirklich als „Sub“. Trotz ihrer Neugier, sexuellen Experimentierfreudigkeit und Liebe zu Christian ist sie viel zu widerspenstig und bleibt sich selbst treu.

So treibt sie den „Dom“, der Ana nicht verlieren will, dazu, sich zu ändern. Nur für sie kämpft er gegen seine „inneren Dämonen“ und vertraut ihr all seine dunklen Geheimnisse an. Anas Liebe zu Christian ist unbeirrbar. Sie beweist trotz aller Schwierigkeiten Beständigkeit und führt den traumatisierten Mann aus der Dunkelheit ans Licht. Die dunkle Welt dient zum Schluss nur noch als sexuelle Spielwiese, auf der die braven Eheleute und inzwischen zweifachen Eltern ihre Lust weiterhin im Geheimen genussvoll ausleben.

Shades of Grey Bilder: Universal Pictures

Dakota Johnson Bild: Shutterstock/Debby Wong

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