Einst war es selbst der Auslöser, dass Medien den Namen „Mommy Porn“ erfinden mussten, um das Phänomen „50 Shades of Grey“ zu erklären. Inzwischen ist der Erfolg unumstritten, Band 1 längst verfilmt, Band 2 auf dem besten Weg zum Kinofilm und Christian Grey durfte bereits aus seiner Sicht zumindest den Anfang der Geschichte erzählen. Doch das ist noch längst nicht alles. In der Amazon-Self-Publisher-Top-1000 fallen einige Nachfolger-Titel auf, die nicht kopieren, sondern auf erfrischende Art und Weise mit „50 Shades of Grey“ ihr eigenes Genre entworfen haben. Titel wie „Auf der Suche nach Mr. Grey“, „Zur Hölle mit all den Greys“ und „In 50 Tagen zur Mrs Grey“ bilden inzwischen eine eigene Literatur-Kategorie in der Indie-Szene. Grund genug, diese Bücher einmal genauer anzuschauen.

Emily Bold: „Auf der Suche nach Mr. Grey – Autsch ist ein schlechtes Save-word“

Es mag kein Zufall sein, dass die Hauptfigur dieses Romans den gleichen Namen trägt, wie die Dame in „50 Shades of Grey“. Anna – lediglich mit doppeltem „n“ als Unterschied – ist Single und ein riesiger Fan von erotischen Romanen. Im Zuge dessen will sie ihr Leben umkrempeln, zu „femme fatal“ werden und ihren persönlichen Mister Grey finden. Es muss nicht unbedingt ein Milliardär sein, aber gegen Dominanz hat sie nichts einzuwenden. Doch die Suche ist nicht so einfach, wie sich Anna vorgestellt hatte. Ein Fettnäpfchen nach dem anderen lauert auf den Single. Sie stolpert über verruchte Dildos, Partnerbörsen im Internet bis hin zu fragwürdigen Dates und wird zu allem Übel auch noch von ihrem Mitbewohner verspottet. Dieses Buch zeichnet vor allem der Humor aus, den die Autorin Emily Bold hervorragend einsetzt. Wer jetzt glaubt, sie sei nur eine Trittbrettfahrerin, die auf den Zug „50 Shades of Grey“ aufspringen will, der irrt. Denn bereits ihr erstes Buch erschien als E-Book, inzwischen hat sie siebzehn deutschsprachige und sechs Bücher in Englisch auf diesem Weg veröffentlicht. Die Fans lieben ihre Art der Verarbeitung: „Sie macht sich damit in keinster Weise darüber lustig, sondern hat sich, basierend auf dem SoG-Wahn, etwas ganz neues einfallen lassen: wie angle ich mir meinen persönlichen Mr. Grey?“, lautet nur eine der vielfältigen positiven Rezessionen. Die Charaktere aus dem Leben gegriffen, erinnern so manchen an ganz gewöhnliche Alltagssituationen, die jeder kennt. Und so bedauert so mancher Leser, dass das Buch nur 102 Seiten lang ist, denn das eigene Leben lässt sich für die Dauer dieser eher kurzen Geschichte hervorragend ausblenden.

Taschenbuch: 102 Seiten
veröffentlicht: 05.02.2015
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
ISBN-10: 1507825498
ISBN-13: 978-1507825495

Cassandra Day: „In 50 Tagen zur Mrs Grey“

Auch die Protagonistin dieser Geschichte ist ein Fan der Erfolgstrilogie „50 Shades of Grey“ und hat es satt, sich mit monotonen Beziehungen und immer wieder kehrenden Sexstellungen zufrieden geben zu müssen. Und so ist für sie klar: Sie will zu einer Mrs Grey werden. Und dazu braucht sie natürlich einen unverschämt gut aussehenden Mann, der auch noch reich ist und ein Spielzimmer besitzt, das keine X-Box beherbergt. So begibt sich Tanja auf ihre Suche: im Internet, in Sexshops und anderen passenden Umgebungen. Doch sie trifft lediglich auf Christoph, der einfach zu nett für ihr Vorhaben ist. Doch irgendwie kann Tanja dennoch nicht die Finger von ihm lassen.
Die Autorin dieser Geschichte ist noch jung in diesem Literaturbereich. Cassandra Day hat ihren ersten erotischen Kurzroman „verlockende Spiele“ im April 2015 veröffentlicht. Die 33-jährige Berlinerin schreibt, um dem Alltag zu entfliehen. Aus demselben Grund lieben die Fans ihre Geschichten. Sie finden „In 50 Tagen zu Mrs Grey“ nicht nur witzig, sondern auch erfrischend und unterhaltsam. Man muss „50 Shades of Grey“ nicht kennen, um dieses Buch in vollen Zügen zu genießen.

Taschenbuch: 220 Seiten
veröffentlicht: 01.10.2015
Verlag: Wölfchen Verlag
ISBN-10: 3943406970
ISBN-13: 978-3943406979

Evanne Frost: „Ach, Zur Hölle mit all den Greys!“

Im Gegensatz zu den anderen Geschichten kann hier die Protagonistin Lexy so gar nichts mit Handschellen, Fesselstellungen und Machtspielchen anfangen. Ihre beste Freundin Natascha jedoch umso mehr, denn sie fliegt voll auf den SoG-Hype. Und so überredet sie die Germanistin Lexy ihr Leben, ihre Identität und die Jobs zu tauschen, während Natascha auf einer Mittelmeerkreuzfahrt ihrer neu entdeckten Leidenschaft nachgeht. Ihr fast zwillingsähnliches Aussehen macht es möglich: Natascha sticht in See und Lexy übernimmt die Inneneinrichtung einer Luxusimmobilie. Der Skipper Jaylen lässt auch sofort das Herz von Natascha höher schlagen. Lexy hingegen lernt in ihrer Rolle als Natascha Steven Lewis kennen, ein kühler aber eleganter Mann, der Lexy als Dank für hervorragende Arbeit auf seine Jacht einlädt – eben diese, auf der Natascha die Geheimnisse des BDSM entdecken möchte. Die Freundinnen kommen in Erklärungsnotstände.
Hinter der Autorin Evanne Frost verbirgt sich die Schriftstellerin Susanne Strecker, die zunächst als Werbekauffrau, Programmiererin und Web-Designerin tätig war, bevor sie das Schreiben für sich entdeckte. Ihre Geschichte auf Basis von „50 Shades of Grey“ ist mehr, als nur ein Nachfolgebuch. Sie setzt sich aus einem anderen Blickwinkel mit der Thematik auseinander und schreckt auch nicht vor kritischen Tönen zurück. Denn Lexy als Außenstehende vermittelt einen eher ablehnenden Blick auf BDSM. Erst Ansehen, dann urteilen ist hier die Devise. Diese Geschichte ist nicht nur unterhaltsam, sondern regt auch zum Nachdenken an. Sprachlich hervorragend geschrieben, nachvollziehbare Erzählstränge und harte aber gut beschriebene Liebesspiele machen dieses Buch ebenfalls aus, das für Fans wie auch Gegner von „50 Shades of Grey“ eine empfehlenswerte Lektüre ist.

Taschenbuch: 200 Seiten
veröffentlicht: 20.05.2015
Verlag: bookshouse
ISBN-10: 9963530389
ISBN-13: 978-9963530380

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