Was man von 50 Shades of Grey für die eigene Liebe lernen könnte

Zugegeben: Die Geschichte über einen Millionär, der die unerfahrene Studentin verführt und in die Welt des BDSM einführt, ist einfach mal Fiktion. Dennoch hat „50 Shades of Grey“ für so manchen mehr Realitätsbezug, als andere es sehen können. Es soll Herren geben, die verstohlen mit ihren Damen in die Kinovorstellung gingen, in der Hoffnung, der Film wecke ihre Lust wieder. Denn auch wenn die Erotiktrilogie nur eine erfundene Story ist, kann sie für so manche Liebe lehrreiche Anregungen liefern.

1. Offen reden, Wünsche äußern und zuhören

Eins hat Christian Grey so manchem Mann der Realität voraus. Er nimmt kein Blatt vor den Mund. In vielen (deutschen) Beziehungen ist das jedoch Mangelware. Die wenigsten Paare sprechen offen darüber, was sie sich wünschen. Das Resultat ist oft ein eingeschlafenes oder völlig unbefriedigendes Sexleben – in manchen Fällen der Anfang vom Ende der großen Liebe.
Auch Ana fällt es am Anfang schwer. Sie wird rot, kriegt kaum das Wort Sex über die Lippen. Auch hier ist es der Anfang – der Anfang einer Emanzipation. Wie frech die einst unerfahrene Studentin werden kann, zeigt sich im Laufe der Geschichte.

Wer in seiner Beziehung Probleme hat, offen zu reden, kann auf die Tricks zurückgreifen, die in „50 Shades of Grey“ aufgezeigt werden. Christian schenkt Ana einen Computer, damit sie ihre „Recherchen“ machen kann. Warum nicht auch einmal gemeinsam mit dem Partner vor dem Bildschirm nach neuen Ideen suchen? Wer nicht reden kann, sollte schreiben. Ana und Christian machen es ebenfalls vor. Sie schreiben Emails, in denen Ana aufmüpfiger wird, als sie sich in der Realität je zu wagen traut. Und nicht zu vergessen der Vertrag: Auch wenn dieser nie unterschrieben wird, bildet er eine Grundlage für Ana und Christians Entdecken ihrer gemeinsamen Sexualität.

2. Gemeinsame Stunden sind wichtig

Immer wieder fragt Ana im ersten Teil, welche Zeit außerhalb der Sub-Dom-Beziehung zwischen ihnen stattfinden wird. Damit verkörpert sie einen Urinstinkt, den viele Partner in sich tragen: einfach gemeinsame Zeit miteinander teilen. Es muss nicht immer der leidenschaftliche Sex sein. Kuscheln auf der Couch, knutschen vorm Fernseher – all das, was Christian noch nie gemacht hat – sind ebenso essenzielle Bestandteile der Liebe. Ana wünscht sich, Zeit mit dem Mann zu verbringen, in den sie sich verliebt hat. Sie möchte nicht nur Sport machen müssen, ihre Garderobe seiner Kontrolle unterwerfen und am Wochenende ein Zimmer beziehen. Gemeinsam ist das Stichwort. Und so sind Momente am Klavier, am Frühstückstisch, während Familienfeiern zwischen den beiden fast intensiver und verbindender als so manche Sexpraxis.

Liebende sollten daher immer darauf achten, genügend Zeit miteinander zu verbringen, die nicht dem Alltag gehört. Einmal in der Woche beispielsweise sollten sich Partner miteinander verabreden. Dieses Date ist nicht automatisch „Sexzeit“ – aber ausgeschlossen ist es auch nicht.

3. Vertrauen versus Kontrolle

Christian ist ein Kontrollfreak. Das wird schnell klar. Er weiß, wo Ana sich befindet, wenn er es gar nicht wissen dürfte. Und hat er keine Ahnung, wird er schier verrückt vor Sorge. Dass Ana damit so ihre Probleme hat, ist für die meisten Frauen nachvollziehbar. Denn Vertrauen ist für eine gesunde Beziehung unabdingbar. Wie sehr Kontrolle und fehlendes Vertrauen verletzt, beweist jedoch zur Überraschung Ana und nicht Christian – indem sie die Nachrichten auf seinem Blackberry liest, die er mit Elena teilte. Ein tiefer Vertrauensbruch.

„50 Shades of Grey“ zeigt damit deutlich, dass Vertrauen besser ist als Kontrolle. Auch der Kontrollfreak Christian versucht im Laufe der Geschichte sein fast zwanghaftes Verhalten zu bessern – Ana zu liebe. Und sie kommt ihm entgegen. Denn auch wenn die Studentin die Unerfahrene ist, weiß sie instinktiv, dass Misstrauen das Ende einer großen Liebe sein kann. Überprüft selbst, seid ihr ehrlich in eurer Beziehung? Vertraut ihr einander?

4. Zum Anderen Aufschauen und Komplimente machen

So manchen Leser mag es im Laufe der Geschichte ein wenig nervend vorkommen: Ana, die ihren Christian regelrecht vergöttert, ihn auf ein Podest stellt und regelrecht zu ihm aufschaut. Sie ist genervt von Kates abweisender Einstellung und trotz aller Wirrungen ist sie Christian vollends erlegen. Doch wer erinnert sich nicht an die erste Verliebtheit – war es nicht genau das Gleiche? Hat man nicht der besten Freundin immer wieder von dem Auserwählten vorgeschwärmt? Wie toll er doch sei? Was er nicht alles könne? „50 Shades of Grey“ lehrt uns, dass diese Sicht nicht im Alltag verloren gehen darf. Ein bisschen Bewunderung muss sich jedes Paar behalten, egal wie gut man den Partner im Laufe der Zeit kennenlernt. Wie? Wann war er das letzte Mal in seinem Element? Für welche Eigenschaft wurde sie zu Beginn vergöttert? Und einfach mal sagen, wie toll man sich gegenseitig findet, kann nie schaden.

5. Nein sagen, ist mutig, aber wichtig

Ana ist im Laufe der BDSM-Verhandlungen oft erschrocken, dass sie gehorsam folgen soll und sich nicht wehren könne. Doch gleichzeitig zeigt Christians Leidenschaft, wie wichtig es ist, auch „Nein“ zu sagen. Denn die eigentliche Macht in der Sub-Dom-Beziehung hat die Sub, wie Christian einmal ausführt: indem sie nicht „Nein“ sagt, indem sie die Kontrolle über Stop und Ende mittels dem „safe word“ hat. Das „Ja“ bekommt hier eine ganz andere Bedeutung. Und auch außerhalb dieses sexuellen Machtspiels hat Ana mit ihrem „Nein“ eine wichtige Rolle. Sie lehnt sich auf und lässt Christian nicht in allen Belangen gewähren.

Auch das ist wichtig in einer gesunden Beziehung. Viele Partner machen den Fehler, Dinge ihm oder ihr zuliebe zu tun. Damit ist natürlich nicht die Hausarbeit gemeint, sondern Dinge, die nur widerwillig geschehen. Gerade im Bett. Nein sagen erfordert hier Mut. Gemeinsam nach Alternativen zu suchen, kann jedoch wiederum spannend sein. Ausprobieren könnte sexy werden. Einen Kompromiss gefunden zu haben, macht glücklicher, befreiter und auch befriedigter.

Nicht zuletzt ist natürlich in allen Belangen der Beziehung auch wichtig, immer offen für Veränderungen zu sein. Neues auszuprobieren, kann die alltägliche Langeweile durchbrechen. Wer weiß, welcher Mann nach dem Kinobesuch mit neuer Neugier seiner Partnerin belohnt wurde? Wer genauer hinschaut, kann sogar noch mehr von „50 Shades of Grey“ lernen. Ob Buch oder Film – der Partner darf dabei aber nicht fehlen!