REMEDY ist gaaanz anders
Bisher wissen wir lediglich von Regisseurin Taylor-Johnson, dass sie FIFTY SHADES OF GREY schon im Ganzen gesehen hat. Ein Tweet verriet es letzte Woche. Die Fangemeinde allerdings muss sich noch in Geduld üben. Um Leaks so kurz vor dem Filmstart zu verhindern, wird der sehnlichst erwartete Erotik-Streifen angeblich sogar bewacht wie das berühmte Fort Knox. Das lässt Raum für Spekulationen. Aber eines dürfte gewiss sein – SHADES OF GREY wird ein Burner!

Von REMEDY kann man das nicht gerade behaupten. Dabei ist er vermutlich allein wegen des Hypes um SoG zu uns herübergeschwappt. Fragt sich also: Was ist an dem BDSM-Streifen aus den USA so anders als an SHADES OF GREY?

Remedy Trailer

Vor allem wohl eines – er wirkt düster. Die 2013 gedrehte Produktion verzichtet vollständig auf Glimmer, Glanz und Gloria und weitgehend auf gute Ausleuchtung. Wir wären, glaub ich, ziemlich verärgert darüber, wenn die Spiele in Greys Red Room im Dunkeln blieben. Wenn wir Ana in ihrer Qual und Christian als Dom nicht beobachten dürften. Bei REMEDY geht das schon auch, aber es sind eher Schlüssellochperspektiven, schnelle Cuts und vor allem das Gesicht der Protagonistin für Leinwand-Voyeure vorgesehen. Statt großes Kino bleibt mehr eigenes, nämlich Kopfkino angesagt.

Akteurin Remedy ähnelt Anastasia Steele weder in ihrer Intention, noch in ihrer Hingabe. Eine Wette bringt sie dazu, den Job in einem New Yorker BDSM-Studio anzunehmen. Und ihr Stolz verhindert die vorzeitige Kündigung. Sie will es sich beweisen. Anders als Ana glaubt Remedy an ihre dominante Seite. Sie lernt zu fesseln und den Umgang mit der Peitsche. Was sie nicht lernt, werden ihr die Kunden trotzdem abverlangen. Aber das stellt sich erst im Nachhinein raus. Und ist wohl auch der Grund, warum Remedy dann doch die Seiten wechselt. Von nun an sind es Sub-Sessions, auf die sie sich einlässt.

Remedy_01

Und wie stellen wir uns so eine Sub-Session vor? Wir haben natürlich Bilder vor Augen. Ana mit Augenbinde, gefesselt, ein lustvoll geöffneter Mund. Und Grey mit entblößtem Oberkörper, wie er sie in Aftercare-Manier durch einen langen, hell erleuchteten Flur trägt. Auch Remedy sieht man mit Augenbinde. Doch Angst steht ihr ins Gesicht geschrieben. Schweißperlen auf der Stirn, wenn sie geschlagen wird. Und kein Grey, der sich hinterher um sie sorgt. Der Kunde geht, Remedy bleibt allein. Meist im Dunkeln. Oder bestenfalls in Gesellschaft der anderen Frauen. Aber es ist ja auch ein Dungeon, in dem sie BDSM erlebt. Nicht die luxuriöse Welt des Christian Grey, in der Ana sich wiederfindet.

Was macht REMEDY dennoch sehenswert? Vor allem ist es der Authentizitätsfaktor, der hier Punkte sammelt. Das Ungeschönte und Ungeschminkte der Szenen. Die Liebenswürdigkeit, mit der die Charaktere gezeichnet werden. Ein starker Sound. Und der feine Humor, der immer dann hervorgestellt wird, wenn wir eine Szene kaum noch aushalten können. Nicht falsch verstehen – Hardcore ist REMEDY eher nicht. Jedenfalls nicht, wenn man unter Hardcore harte SM-Spiele versteht. Aber das vollkommen Abwegige, das Schöne und das Grausame unterliegen hier einer Subtilität, die auf besondere Weise berührt. Tief.
Ich jedenfalls bin froh darüber, dass der BDSM-Streifen REMEDY jetzt zu meinem Erfahrungshorizont gehört. Er läuft bundesweit übrigens nur in vier Kinos. What a difference to FIFTY SHADES OF GREY!

Wenn ihr jetzt wissen wollt, was ich ansonsten über Macht und Dominanz zu sagen habe, schaut gern auf meinem Blog vorbei.

Eure Vicky Vanilla

Rechteinhaber der Bilder ist déjà-vu film.