Der Regiewechsel und die Folgen: Eine neue Handschrift für Teil 2

Es war die Nachricht der vergangenen Tage. Sam Taylor-Johnson wird nun auch offiziell bestätigt nicht den Regieposten des zweiten Teils von „50 Shades of Grey“ übernehmen (wir berichteten bereits). Vor allem die Unstimmigkeiten mit Autorin E.L.James haben dafür gesorgt, dass die 47-Jährige die Aufgabe nicht weiter leisten wird. Sie selbst wünscht ihrem Nachfolger nichts als Erfolg. Doch was bedeutet das für die beiden kommenden Teile? Welche Änderungen könnte es mit einer neuen Besetzung geben und wer kommt eigentlich infrage?

Die Bedeutung des Regiewechsels: Das könnte sich ändern!

Mehr Sex! Expliziter Sex! Das war die Hauptforderung von der Autorin der Erfolgsbücher an die Regisseurin. Und das wird offenbar der deutlichste Unterschied zwischen „50 Shades of Grey – Geheimes Verlangen“ und „50 Shades of Grey – Gefährliche Liebe“ sein. Während im ersten Teil von den 100 Minuten etwa ein Fünftel den Sexszenen gewidmet war, könnte das nun im zweiten Teil deutlich mehr sein. Ganze Szenen wurden gestrichen, worüber so mancher Fan sehr enttäuscht war. Auch waren die Szenen vielmehr nur angedeutet, aber nicht so genau, wie im Buch beschrieben. Details wurden ausgespart, Gesichtszüge und Schnittfrequenz übernahmen die Erzählung statt der genauen Aktionen. Das könnte also im zweiten Teil anders sein. Hier wartet auf uns Fans aus Buch zwei zum Beispiel Folgendes:

‚Leg die Hände auf den Rücken‘, befiehlt er mir, löst seine Fliege und bindet mir damit die Hände auf dem Rücken zusammen. ‚Willst du das wirklich, Anastasia?‘ Ich schließe die Augen. Es ist das erste Mal, dass ich es tatsächlich möchte. Und brauche.

Gefolgt von:

Er schlägt noch einmal zu an genau derselben Stelle, und wieder stöhne ich auf. ‚Zwei‘, murmelt er. ‚Stell dich auf zwölf ein.‘ Wow!

[…]

‚Zwölf‘, presst er mit rauer Stimme hervor. Noch einmal streichelt er mein Hinterteil und lässt seine Finger zu meiner Vagina gleiten, in die er ganz langsam zwei versenkt, um sie darin kreisen zu lassen. Ich stöhne laut auf, als mein Körper den Höhepunkt erreicht.

Der Herr über die Bilder kann hier zwischen verschiedenen Möglichkeiten wählen: die Perspektive von Ana beispielsweise. Zeigt der neue Regisseur ihr Gesicht und ihre Reaktion? Oder ruht die Kamera vielmehr auf der Stelle, auf der Christians Hand zwölfmal landet? Allein diese Wahl macht den kleinen aber feinen Unterschied aus. Auch der Schnitt zwischen den Bildern kann viel erzählen. Ist er schnell? Im Rhythmus der Schläge? Oder langsam und sinnlich? Auch aus Christians Perspektive kann diese Szene erzählt werden. Zeigt die Kamera seine Hand? Detailliert die Finger? Oder wird es nur eine totale Einstellung geben? Allein diese wenigen Sätze aus Teil zwei zeigen: Diskussionsgrundlagen gibt es genug. Bleibt abzuwarten, welche Bildsprache der oder die neue Regisseurin wählen wird. Sicher scheint nur eins: E. L. James Wunsch nach mehr Sex wird offenbar nachgekommen werden und der neue Regisseur ihren Vorstellungen mehr folgen müssen.

Die Besetzung für Teil 2: Mögliche Kandidaten und ihre Handschriften

Seit der Nachricht von Taylor-Johnsons Rückzug spekuliert die Welt gespannt, wer für den zweiten Teil von „50 Shades of Grey“ auf dem Regiestuhl Platz nehmen könnte. Eine der heiß gehandelten Kandidatinnen und schon mehrfach für die Position spekulierte Dame ist Angelina Jolie. Die 39-Jährige hat bereits dreimal Regie geführt: „A place in time“, „In the land of blood and honey“ und „Unbroken“. Dabei hat sie inzwischen eine eigene Handschrift entwickelt. In dem Kriegsdrama „In the land of blood and honey“ erzählt Jolie mit wenigen, aber guten Effekten. Sie wählt eine Mischung zwischen Distanz und Nähe und erzählt das Thema Krieg nicht mit zahlreichen detaillierten Bildern. Im Gegenteil. Sie wählte bewusst nur Ausschnitte des Kriegsgeschehens und eine sehr langsame Erzählweise. Jedoch waren ihre Bilder vor allem von Authentizität geprägt. Gerade Letzteres könnte der Autorin von „50 Shades of Grey“ gefallen. „Unbroken“ hat ebenfalls zahlreiche distanzierte Aspekte und eine lange Erzählstruktur. Sollte es tatsächlich zu dieser Besetzung kommen, wird es sicherlich eine interessante Zeit der Dreharbeiten. Denn lässt eine Angelina Jolie sich wirklich in ihre Arbeit hinein reden, auch wenn die Anregungen direkt von Autorin E. L. James kommen?

Angelina Jolie und Brad Pitt

Weitere Namen für den Posten könnten erneut Martin Scorsese und Sofia Coppola sein, die schon für den ersten Teil heiß gehandelt wurden. Gerade Ersterer hat eine deutliche Handschrift, behandelt vorrangig die Themen Aufstieg und Fall, aber auch Gewalt ist nie fremd in seinen Filmen. Sein letzter Coup war „The Wolf of Wallstreet“ mit einem hervorragenden Leonardo DiCaprio. Seine Schnittfrequenz ist bevorzugt schnell, Jump-Cuts, Verfolgungsfahrten der Kamera und auch Flashbacks charakteristisch für den „nervösen“ Finger von Scorsese – passend zu den bevorzugten Charakteren seiner Filme, die oft am Rande eines Nervenzusammenbruches stehen. Dies könnte im zweiten Teil von „50 Shades of Grey“ vor allem zum Thema „Christians Exfreundinnen“ ein interessanter Aspekt werden.

Martin Scorsese

Sofia Coppola könnte für den Posten vor allem interessant sein, da sie dem Seelenleben der Protagonisten stets mehr Vorrang gibt, als erzählerischen Konventionen. Ebenso könnte sie auch selbst das Drehbuch schreiben, wie bereits bei dem Film „Lost in Translation“ 2003 geschehen. Ob das im Sinne von E. L. James sein kann?

Sofia Coppola

Es bleibt abzuwarten, wer nun wirklich (offiziell von Universal bestätigt) den Regieposten übernehmen soll. Spannend ist damit der zweite Teil allemal.

Wer ist denn eurer Liebling und welche Anforderung stellt ihr an den Regisseur?

Welchen Regisseur wünschst du dir für Teil 2?

Ergebnis

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Bilder: von flickr.com unter Creative Commons Lizenz, Stühle: filtran; Angelina Jolie: Hot Gossip Italia; Martin Scorsese: Gene Avakyan; Sofia Coppola: Dick Thomas Johnson