Wenn die Muskeln spielen und der Gesichtsausdruck mürrisch und beherrschend ist, so schmilzt so manche Frau bei diesem Anblick dahin. Nicht zuletzt seit „50 Shades of Grey“ ist das Thema Dominanz in aller Munde. Auch neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Frauen auf Männer stehen, die führen können und wollen. Was Mama schon längst vermutete – Kind, du verliebst dich immer in den falschen Mann – ist nun bewiesene Gewissheit. Machos ziehen SIE magisch an.
Bruce WillisDas bekommen vor allem Prominente zu spüren: Je dominanter und maskuliner ihr Auftritt, desto mehr Damen liegen ihnen zu Füßen. Arnold Schwarzenegger beispielsweise ist der Inbegriff von Kraft und Dominanz – der Mann, der mit den Muskeln nur so spielen kann. Der Terminator bekam aufgrund seiner zahlreichen angeblichen Affären bis hin zu einem unehelichen Sohn von der Klatschpresse sogar den Beinamen „Sperminator“. Auch der Vorzeige-Macho Charlie Sheen profitiert davon: Dieser Bad Boy war sogar so „bad“, dass er glatt aus seiner eigenen Serie flog. Sein Liebesleben hingegen ist vielseitig und unbeeindruckt dessen. Sein wildes Treiben musste schon die Polizei beenden und so manche Frau wünschte sich an die Seite seiner Geliebten. Würde es „Playboy“-Legende Hugh Hefner mit seinen 87 Jahren sonst auch schaffen, zahlreiche junge, attraktive und schöne Damen an seine Seite zu bekommen, wenn er nicht Macht und Dominanz ausstrahlen würde? Viele Damen liegen Tiger Woods trotz seiner Skandale zu Füßen und als George Clooney heiratete, brach so manches Frauenherz. Bruce Willis kann die ganze Welt retten, warum nicht dann eine Frau? Und Mel Gibson ist trotz schlechter Schlagzeilen, er habe seine Ex-Freundin brutal geschlagen, in der Damenwelt immer noch hoch im Kurs. Auch in der noch so modernsten Gesellschaft gilt offenbar immer noch die Regel aus der Steinzeit: Sie wählt den Mann, der Macht, Muskeln und Stolz hat. Aber warum ist das so?

Auf die Definition kommt es an: Was ist Dominanz?

Die einen stellen sich unter Dominanz den immer befehlenden, herrschsüchtigen Partner vor, die anderen haben sogar Schläge und Gewalt vor Augen. Gerade in oberflächlichen Betrachtungen wird (vor allem in Verbindung mit „50 Shades of Grey“) Dominanz mit Gewalt verbunden. Wer dominant ist, schlägt auch zu – und das nur zu seinem eigenen Vergnügen. Doch so plakativ darf Dominanz nicht betrachtet werden. Denn dahinter verbirgt sich längst mehr. Aus biologischer und anthropologischer Sicht ist Dominanz, wenn ein Individuum gegenüber einem anderen einen höheren sozialen Status hat und Letzteres reagiert unterwürfig. In der Psychologie sprechen die Wissenschaftler bei Dominanz von der Fähigkeit, einen anderen oder sogar mehrere zu beherrschen oder zu kontrollieren. In der Genetik ist Dominanz die Durchsetzung von Erbfaktoren. Sogar in der Wirtschaft spielt Dominanz eine Rolle, zum Beispiel in der Spieltheorie. Doch in Sachen Partnerwahl ist die Definition der aus biologischer und anthropologischer Sicht essenziell.

Aus der Welt der Wissenschaft: Wann wo und wie ist Dominanz attraktiv?

Es gibt zahlreiche Studien, die sich mit der Dominanz als Merkmal für Attraktivität beschäftigen.
So haben Forscher in Vancouver festgestellt, das ein lächelnder Mann bei Damen meist durchfällt, ein angeberisch schauender Mann jedoch als deutlich attraktiver erachtet wird. Männer, die ihre Muskeln im Oberkörper anspannen, ergeht es ähnlich. Sie strahlen laut der Studie aus Vancouver eine deutlich höhere Anziehungskraft aus. Eine weitere Untersuchung ergab zudem, dass Frauen sich ebenfalls von Männern mit dominanten Augenbrauen und einem markanten Kinn angezogen fühlen. Dr. Gilda Giebel hat in ihrer Dissertation an der Universität Konstanz zahlreiche Aspekte der männlichen Dominanz untersucht. Sie fand heraus, dass vor allem Frauen, die dem „Sensation Seeking“ (Sensationssuche) anhängen, von dominanten Männern hingezogen fühlen. Denn ihre Anfälligkeit für Langeweile ist hoch, dominante Männer versprechen Abwechslung. Andere Studien ergaben, dass Frauen vor allem in ihren fruchtbaren Tagen – also rund um den Eisprung – besonders maskuline Männer als attraktiv empfinden. Eine Studie aus Rochester, New York hat herausgefunden, das vor allem die Farbe Rot Männer besonders attraktiv mache. Denn Rot impliziere Macht, Stärke, Männlichkeit und eben Dominanz.

Santa

Unbewusste Suche nach dem starken Ernährer: Die Evolutionsbiologie ist die Lösung.

Was Darwin schon 1859 wusste, gilt daher heute noch. Denn seinen aufgestellten Theorien der sexuellen Selektion unterliegen wir unbewusst immer noch bei der Auswahl der Fortpflanzungspartner. Trotz aller Moderne, Technik und des Fortschritts agiert der Mensch in puncto Partnerwahl immer noch wie sein Steinzeitvorfahr. Laut Darwin gibt es zwei Arten von sexueller Selektion: Die sogenannte „intrasexuelle Selektion“ beschreibt die Konkurrenz zweier gleichgeschlechtlicher Individuen um den Erfolg beim anderen Geschlecht. Die „intersexuelle Selektion“ beschreibt die Auswahlkriterien für bestimmte Merkmale und Eigenschaften. Sie ist die Basis der „female choice“ – der weiblichen Auswahl. Zu deutsch: Die Männer schauen nach Attraktivität, aber die Frauen entscheiden letztendlich bei der Partnerwahl. Und das anhand von bestimmten Merkmalen und Eigenschaften. Denn die Damen haben das größere Risiko. Während ER sich nach dem Sex einfach aus dem Staub machen kann, riskiert SIE jedoch eine Schwangerschaft und, ohne den Ernährer dazustehen. Deswegen besetzt die Damenwelt ihre „Attraktivitätsmerkmale“ anders als ihre männlichen Kollegen. Der angeberisch schauende Macho aus der Studie in Vancouver signalisiert demnach nichts anderes als den starken Ernährer. Die dominanten Augenbrauen deuten auf ausreichend Testosteron hin: Dieser Mann wird gute, gesunde und starke Nachfahren bringen und wird sie auch beschützen und verteidigen – sagt der Urinstinkt der Frau. Dominanz signalisiert auch einen hohen sozialen Status. Wer sich in der rauen Wirtschaftswelt der Moderne durchsetzen kann, der kann nicht nur Frau und Kind ernähren, sondern sie auch gegen alle anderen Widrigkeiten der heutigen Gesellschaft beschützen. Wer Macht und Stärke ausstrahlt, signalisiert diese Zukunft. Breite Schultern und auffallende Körpergröße wirken unterstützend und werden daher selten verschmäht. Vorleistungen wie Geld, Geschenke und ein Haus sind ebenfalls hervorragende Beweise für die Dame, dass er sich nicht nach dem Akt aus dem Staub macht.

Dominante für den Spaß, verlässliche Männer fürs Leben

Eine Einschränkung scheint die Moderne jedoch schon zu machen. Denn Wissenschaftler der Universität von Kalifornien in Los Angeles haben festgestellt, dass dominante Männer bei Damen angesagt sind, wenn es um Abenteuer, Spaß und Leidenschaft geht. Ist es eine Affäre, steht Frau auf Machos und Alpha-Männchen. Wenn es sich jedoch um die Auswahl des Lebenspartners dreht, tendierten die Damen der Studie nach zu nicht-dominanten Männern, denn diese seien treuer und verlässlicher. Auch in der Dissertation von Dr. Gilda Giebel findet sich solch ein Ergebnis. „Männliche Dominanz ist für Frauen anziehend, wenn es um die Wahl eines Kurzzeitpartners geht, jedoch nicht, wenn ein Langzeitpartner gewählt werden soll.“ resümiert sie. Lediglich ein dominantes Verhalten gegenüber Fremden würde hier als attraktiv gelten. Eine Prügelei unter Männern, um die Dame zu verteidigen, imponiert also dennoch. Gegenüber der eigenen Familie zähle Rücksicht jedoch mehr.
Hier könnte die Emanzipation der Frau in den vergangenen Jahrzehnten eine bedeutende Rolle spielen. Denn Sex zum Vergnügen – das gab es aus evolutionstheoretischer Sicht nicht. Er galt immer der Fortpflanzung. Das Rollenbild der Frau in den vergangenen Jahrhunderten schloss dies ebenfalls aus. Dass Frau sich nun jedoch nimmt, was sie will, ist eine Entwicklung der Moderne. Ob das wirklich dahinter steckt und die Dominanz der Frau die Rollenbilder verändert? Das müssen Wissenschaftler erst noch herausfinden.

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George Clooney – von Josh Jensen; Bruce Willis – von Harald Hillemanns, Santa – von Kevin Dooley