Update 16.07.2015: Lies hier unseren neuen Artikel über erotische Literatur

Sex zu beschreiben, ist nicht einfach: Die besten und schlechtesten Erotiktexte

Sprache ist eine Kunst. Gerade das niedergeschrieben Wort ist nicht so einfach, wenn es unterhaltsam sein soll. Schon Konfuzius wusste: „Die ganze Kunst der Sprache besteht darin, verstanden zu werden.“ Doch das ist nicht immer der Fall und der Leser fragt sich, was der Autor wohl damit sagen wolle. In anderen Texten versteht der Leser leider zu gut – lustigerweise. Rund um den Erfolg von „50 Shades of Grey“ boomt auch die erotische Literatur. Und auch hier gibt es gute und schlechte Texte. Nicht immer wird mit erfolgreichen Formulierungen das Thema Sex aufgegriffen. Erotische Texte sind extrem schwierig und eine Gratwanderung, damit sie dem Leser nicht ungewollt Lachanfälle bescheren. Wir haben uns einige Beispiele und sogar ausgezeichnete Texte angeschaut.

Von Regenwaldvergleichen und angeschalteten Lichtern: Die schlechtesten erotischen Texte

„Als seine Hand ihre Nippel streifte, wurde ein Schalter umgelegt und sie war wie erleuchtet“ – das ist nur ein Satz aus dem Werk „The Age of Magic“ des nigerianischen Schriftstellers Ben Okri, der so manche Lachmuskeln angeregt haben sollte. Statt Sex auf dem Papier ist hier eher unbewusst Witziges in der englischen Sprache entstanden: „Er berührte ihren Bauch, und es schien, als brannte seine Hand durch sie hindurch“ – mit diesen und anderen eher unglücklichen Formulierungen errang der Schriftsteller die goldene Himbeere der Literatur: den „Bad Sex Award 2014“ der englischen Literaturzeitschrift „Literary Review“. Seit 1993 werden damit die schlechtesten erotischen Texte ausgezeichnet. Unter den bisherigen Preisträgern befinden sich nicht nur eher unbekanntere Autoren, auch namhafte Schreiber wie Tom Wolfe, Norman Mailer und Jonathan Littell haben ihn bereits erhalten. Okri ist selbst Booker-Prize-Träger. Ebenso kam der Pulitzerpreisträger Michael Cunnigham zu der zweifelhaften Ehre, auch für diese Auszeichnung nominiert zu sein. Ausschnitte wie: „Er hörte sich selbst vor Staunen nach Luft ringen“ und Tyler stößt „einmal zu, vorsichtig. Er stößt noch einmal zu, und dann legt er los, rast ins schwankende Nichts“ hatte die Jury dazu gebracht. Richard Flanagan ist der diesjährige Booker-Prize-Gewinner und kam ebenfalls in die engere Auswahl: „Hände fanden Fleisch, Fleisch, Fleisch. Er fühlte das unwahrscheinliche Gewicht ihrer Wimper mit seiner eigenen. Er küsste den leichten, rosigen Abdruck ihrer Strumpfhose, der um ihren Bauch verlief wie der Äquator um die Erde.“ Ebenso eher misslungen: „Schamhaar, so nass wie ein Regenwald“ von Haruki Murakami aus Japan. Der „Bad Sex Award“ wurde ursprünglich ins Lebens gerufen, um Autoren zu erziehen und die oft nachlässig geschriebenen und redundanten sexuellen Absätze in modernen Romanen aufzuzeigen und zukünftig zu verhindern. Ist es Zufall, dass vor allem Männer diese Auszeichnung erhalten?

Aber auch deutsche Autoren haben schon in manche Zauberkiste gegriffen und dabei eher unglückliche Formulierungen rund um das Thema Sex auf das Papier gebracht. So manche Literaturkritiker sind der Meinung, dass der Gewinner des Deutschen Buchpreises Lutz Seiler in seinem Roman „Kruso“ auch die schlechteste Sexszene der deutschen Literatur 2014 geschrieben habe: „Die Begierde verdrehte ihm die Worte im Kopf …“ Einem toten Fuchs am Strand erzählt der Protagonist folgendes: „Seine Hand auf ihrem Kopf. Ihre Augen, ihre hohe, verschwitzte, irgendwie eiförmige Stirn und ihre Haare, mit denen sie nichts machte, nichts anderes, als seine Schenkel zu streicheln, nichts anderes als ihn anzuschließen an ihren Stromkreis. Ein paar Haarspitzen blieben haften an seinem Schwanz und übernahmen die Versorgung.“

Verwaiste Hüften und Männergeschichten: Die besten erotischen Texte

Wo Missgeschicke sind, gibt es aber auch positive Beispiele. Einen „best sex award“ gibt es leider nicht. Somit mag die Auswahl der besten erotischen Texte hier ein wenig subjektiv gefärbt sein. So wird in manchen Kreisen die Autorin Sophie Andresky als Deutschlands Nummer Eins in Sachen Erotik angesehen. Keine schreibt erotischen Geschichten so wie sie. Die Autorin aus Berlin begann 1997 mit der Veröffentlichung einer Sammlung von Kurzgeschichten. Inzwischen wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem 1. Platz im Kurzgeschichtenwettbewerb des Journal für die Frau zum Thema „Die unglaublichsten Geschichten mit Männern“. Andresky arbeitet ebenso als Kolumnistin für die Magazine „Joy“ und „Playboy“. Empfehlenswerte Veröffentlichungen sind unter anderem: „Tiefer. Erotische Verführungen“ und “Feucht. Erotische Verführungen“ – beide erschienen im Rowohlt Verlag.


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Mehr von Sophie Andresky

Ein Name darf bei den besten erotischen Texten nicht fehlen: Menantes – der meist gelesenen deutsche Dichter vor 300 Jahren. Nach ihm ist der Preis benannt, den die Evangelische Kirchgemeinde Wandersleben zusammen mit der Literaturzeitschrift „Palmbaum“ alle zwei Jahre ausschreibt: den Menantes-Preis für erotische Dichtung. In diesem Jahr gingen 432 Beiträge an den Start – fast dreihundert Gedichte und über einhundert Kurzgeschichten. Den Preis für sich gewinnen konnte der Hamburger Autor Uwe Kolbe mit seinem Gedicht „Des kleinen Mannes Lied von der großen Liebe“. Nancy Hünger bewies, dass Erotik längst keine Männerdomäne ist. Sie bekam in diesem Jahr den Publikumspreis und wurde damit für Formulierungen wie „Meine Hüfte ist eine Vollwaise“ ausgezeichnet.

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„Die Sprache ist die Kleidung der Gedanken“, sagte einst der englische Sprachforscher Samuel Johnson. Umso schwieriger ist es sicher, die Hauptfiguren einer Erzählung zu entkleiden. Dem einen Autor gelingt es mehr, dem anderen weniger. Aber wir Leser sind einfach dankbar, dass es immer noch genügend Schriftsteller gibt, die den Versuch wagen, damit unser Kopfkino nicht still steht.