Lange haben wir darauf gewartet. Endlich ist auch der dritte Kinofilm auf der Leinwand angelaufen. Seit vergangenen Donnerstag können wir das Finale der Geschichte von Anastasia und Christian in Bewegtbild erleben. Doch hat sich das Warten auch gelohnt? Ich habe mich auch dieses Mal unter die Zuschauer gemischt und den Film ein wenig genauer betrachtet.

Zwischen Romantik, Sex und Spannung: Der Fokus hat sich noch mal verschoben

Ein Hauch von Nichts, ein weißer Stoff, wunderschöne Spitze und Hemdärmel, die zusammengeknöpft werden. Der Film beginnt mit Detailaufnahmen, die langsam ineinander gleiten. Und dann endlich: eine Frau im Hochzeitskleid. Von hinten. Im OFF ertönt Christians Stimme, der sein Hochzeitsgelübde spricht. „Ich verspreche dir zu lieben, zu vertrauen und dich zu beschützen“. Und dann sehen wir das glückliche Paar sich gegenüber. „Ich gebe dir meine Hand und mein Herz, solange wir beide leben“, haucht Anastasia.

Wer bis hier hin noch nicht vor Romantik dahingeschmolzen ist, wird es spätesten bei dem Hochzeitskuss tun, der musikalisch von kräftigen Streichern untermalt ist. Eine Traumhochzeit, wie sie im Buche steht. Erst mit dem einsetzenden Applaus und den ersten Bildern der Hochzeitgesellschaft tauchen die ersten Farben in „Fifty Shades Freed“ auf. Der letzte Teil der Reihe beginnt da, wo manch andere Geschichte aufhört: am Anfang der Ehe.

Doch es wäre nicht Fifty Shades, wenn nicht alsbald Christian seine Angetraute entführt: „Mrs. Grey“, spricht er sie an, die sich noch nicht an ihren neuen Namen gewöhnen kann. „Das bin ich“, lächelt Anastasia glücklich. „Lass uns hier verschwinden“, fordert der frische gebackene Ehemann, der es leid ist, seine Liebste mit dem „Fußvolk“ zu teilen. Und zahlreiche Eindrücke der Hochzeitsreise folgen.

Doch schnell ist es mit der Romantik vorbei. Denn die Flitterwochen werden von mysteriösen Szenen unterbrochen. Ein Besucher bei Grey Enterprises schleicht durch die Gänge. Das Gesicht bleibt verborgen. Die Szene endet mit dem Anbringen eines Brandsatzes. Zurück an der Côte d’Azur ahnt das glückliche Paar noch nichts von den Geschehnissen daheim. Was jetzt folgt, sind die ersten Szenen vieler nackter Haut.

Aber wie schon im zweiten Teil hat sich auch in Fifty Shades Freed der Fokus ein wenig verschoben. Denn es geht längst nicht mehr um die Einführung in die Kunst der härteren Liebe. Nein. Hier sehen wir ein Paar, das mit den ersten aufkommenden Eheproblemen kämpft. Denn auch ein Milliardär im Luxus ist nicht davor gefeit, seine nun ebenso reiche Frau zu verärgern. „Siehst du, so macht man das. Reden und Probleme lösen“, erklärt Ana erzieherisch, aber nicht weniger charmant.

Regie, Dramaturgie und Schauspielerleistung: Positives und Negatives

Mein geübtes Auge schaut jedoch nicht nur auf die Geschichte. Auch die bildliche und tonliche Gestaltung ist für mich immer interessant. Schon im zweiten Teil habe ich die andere Handschrift des neuen Regisseurs James Foley gegenüber Sam Taylor-Johnson bemerkt und den „Mut zur Lücke“ vermisst. Auch im dritten Teil fehlt er mir. Es wechseln sich Dialoge mit Musik ab und umgekehrt. Und nicht immer finde ich die musikalische Untermalung passend. Eine Verfolgungsjagd zu Klängen, die dem Acid-Jazz von Jamiroquai ähneln? So hätte ich mir das nicht vorgestellt, auch wenn „The Wolf“ von „The Spencer Lee Band“ sicherlich ein toller Titel ist. Aber nicht für eine spannende Verfolgungsjagd. Auch an so manch anderer Stelle reißt mich die Musik leider heraus.

Was mir ebenso auffällt, sind die vielen Detailaufnahmen in diesem Film. Der Ring, die strahlenden Augen und bedrohliche Gegenstände werden immer wieder sehr nah auf die Leinwand geworfen. Meine Erinnerung mag mich täuschen, aber solch eine Fülle glaubte ich nicht, in den ersten beiden Teilen entdeckt zu haben. Auch die Sexszenen wirken gegenüber dem ersten und zweiten Teil mit mehr nackter Haut besetzt. Oben ohne ist für Christian ein Problem, doch offenbar nicht für den Regisseur und Kameramann. So ist Anastasia mehrere Male fast nackt und mit blankem Busen zu sehen – mal sexy, mal wütend und enttäuscht. Aber auch Mr. Grey wird in diesem dritten Teil nicht versteckt. Unter der Dusche stoppt die Kamera in der letzten Sekunde, wie mir mit stockendem Atem klar wird, als Ana ihrem Mann in den Schritt greift. So manche Kameraeinstellung ist in diesem Film sprichwörtlich atemberaubend.

In Sachen Dramaturgie bin ich erneut in der ersten Hälfte des Filmes zunächst enttäuscht. Denn nachdem die Flitterwochen jäh durch die bedrohlichen Entwicklungen zu Hause unterbrochen wurden, kann ich mich dem Gefühl nicht verweigern, dass die Szenen nur so vor sich hin plätschern. Ana klärt mit Haushälterin Gale, wie der Haushalt ab jetzt geführt werden soll. Schließlich kocht sie an dem Abend und diskutiert mit Christian über Kinder. Dem folgen ein erster neuer Arbeitstag im Verlag und die Vorstellung des Hauses, das Christian für das Paar gekauft hat. Zwar setzt sich Ana hier mit Charme gegen die unverschämte Architektin durch – doch die Reihenfolge dieser Szenen hätten beliebig geändert werden können. Erst im zweiten Teil des Filmes kommt für mich mehr Spannung auf. Spätestens mit der Entführung ist sie dann auf dem Höhepunkt. Und ja, hier habe ich mich dann doch ertappt, wie ich die Finger angespannt in die Lehne des Kinosessels gekrallt habe.

Was dem Film an Spannung fehlt, machen an manchen Stellen die Schauspieler wett. Ich sehe eine deutliche Steigerung gegenüber dem ersten und zweiten Teil bei Dakota Johnson und Jamie Dornan. Nahm ich ihm in den Schlüsselszenen im zweiten Teil das Leid von Christian Grey nicht ab, spüre ich im Finale seine Sorge um die geliebte Frau deutlich. Ich habe so manchen Schauspieler deutlich schlechter Tränen vergießen sehen. Ebenso ist sein Singdebüt am Klavier nicht die schlechteste Premiere, die ich bisher gehört habe.

Auch das Miteinander zwischen den beiden kommt bei mir an. Und so ertappe ich mich bei so manchem ebenso verliebten Lächeln, während ich den Neckereien der beiden zuschaue. Auch im dritten Teil ist gekonnt mit Mimik gearbeitet und vor allem Anastasias Lippen bleiben mir als Bild nach dem Filmgenuss im Gedächtnis. Sie ist für mich die große Gewinnerin des dritten Teils. Dakota Johnson überzeugt in der Rolle der inzwischen selbstbewussten Ehefrau, die zwischen Angst und Glück hin und her schwankt.

Kritiken aus anderen Mündern: Nicht nur Positives von den Fans

Glaubt man nur den Zahlen an den Kinokassen, ist Fifty Shades Freed erneut ein Hit. Allein die Vorpremiere in der Nacht hat in Amerika bereits 5,6 Millionen Dollar gebracht. Bis zum Freitag waren die Einnahmen schon bei 17 Millionen, dazu weitere 25 Millionen außerhalb von Nordamerika. Kein Wunder. Denn die Fans sind erneut begeistert. Vielen von ihnen fehlen wie auch schon bei den Vorgängern einige liebgewonnene Szenen. Sie hätten sich gewünscht, dass der Film ein wenig länger gewesen wäre. Aus dem Blickwinkel der Dramaturgie sage ich jedoch: Nein. Auch Szenen aus dem im Vorfeld veröffentlichten Trailer werden wieder schmerzlich vermisst. Die DVD-Veröffentlichung wird zeigen, ob das gedrehte Material erneut in einer „extended version“ präsentiert wird.

Nach dem Kinoerlebnis habe ich mich auch erneut in den Medien und sozialen Netzwerken umgeschaut. Erneut ist wieder harte Kritik zu finden, was nichts Neues rund um die Fifty-Shades-Reihe. Kinokritiker nehmen ein weiteres Mal kein Blatt vor den Mund. Der Crime-Plot wirke unmotiviert eingeflochten, die Dramaturgie wird als monoton bezeichnet, die Sexszenen als erwartbar tituliert. So mancher Kritiker bezeichnet die Rollenklischees des Films sogar als widerwärtig. In Zeiten von #metoo seien Christians Kontrollsucht und Eifersuchtswahn, Jacks sexuelle Übergriffe und Anas Angst, sie bekomme zu Hause zu viel Ärger, nicht mehr zeitgemäß. Nun ja, die Geschichte entstand ja auch davor, lässt sich zur Verteidigung sagen. So mancher Kritiker bezeichnet den Film sogar als Eintopf aus lauter losgelösten Ideen, das Drehbuch schlecht und die schauspielerische Leistung ein Witz. Zu hart, wie ich finde. So manche Kritik mag aus meiner Perspektive gesehen berechtigt sein, aber manch andere Formulierung schießt über das Ziel hinaus, wie die Kritiker dem Film selbst bescheinigen.

Fazit: Gelungener Abschluss der Kinoreihe?

Keine Frage: Wer ein echter Fifty Shades Fan ist, der wird auch diesen dritten und letzten Teil lieben. Und so empfingen mich wieder zahlreiche Damen vor dem Kinosaal nach meiner Vorstellung, die sehnsüchtig auf Einlass warteten. Wenn mich diesmal jemand gefragt hätte, ob es sich lohne, hätte ich sicher wieder mit Ja geantwortet. Denn ebenso wie die vergangenen zwei Teile hat der Film viel Sehenswertes zu bieten. Für viele Fans wird das erneut eine 1 sein, für mich ist es eine 2, die vor allem Dakota Johnson zu verdanken ist.

Doch letztendlich muss sich jeder selbst ein Bild von Fifty Shades Freed machen. Nur eins sei noch verraten: Auch wenn der wahre Fan das Ende des Filmes als viel zu früh empfindet, so ist dieses umso schöner. Zu den Klängen der Single aus dem ersten Teil „Love me like you do“ von Ellie Goulding erinnert sich Anastasia an alles, was sie bisher mit Christian erlebt hat. Und die Bilder flackern erneut über die Leinwand: vom ersten Moment, als sie in sein Büro stolperte bis hin zu den schönsten Augenblicken ihrer Beziehung. Das lässt auch mich glatt ein wenig wehmütig werden. Denn nun ist klar: Die Trilogie ist zu Ende. Der Höhepunkt erreicht. Bevor dann doch noch ein paar Bilder … ach seht am besten selbst!

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