Die kritischen Stimmen: Fragestunde artet zu Shitstorm aus

Auch wenn die Zahl der Anhänger von „50 Shades of Grey“ groß ist, gibt es auch die andere Seite. Die kritischen Stimmen. Leser, die das Buch nicht gut finden. Und andere. Das musste Autorin E. L. James nun deutlich spüren. Denn eine Fragestunde via Twitter lief vor einigen Tagen anders, als sie erwartet haben mag. Denn statt wichtiger Fragen entbrannte eine Art Shitstorm. Über 60.000 Tweets wurden unter dem Hashtag „#AskELJames“ abgesetzt. Nicht alle positiv und viele weit unter der Gürtellinie.

Die Kritik: Das sind die Argumente

Schon im Vorfeld der Diskussion machten Aktivisten gegen häusliche Gewalt mobil. Auf ihrem Account riefen sie dazu auf, kritische Fragen zu stellen. Der Vorwurf an die Autorin: Sie verherrliche mit „50 Shades of Grey“ häusliche Gewalt. Offenbar waren zahlreiche Tweeter diesem Aufruf gefolgt. Der Filmemacher Ian Robinson beispielsweise stellte die Frage: „Was hasst du mehr, Frauen oder die englische Sprache?“ – allein dieser Tweet wurde über 3600 mal weiter geteilt. Von da an geriet die Fragestunde eher außer Kontrolle.

Weitere Kritiken betreffen den Schreibstil, der immer wieder sarkastisch kommentiert wurde: „Mir war gerade schlecht und ein paar Buchstaben-Nudeln sind auf einem leeren Blatt Papier gelandet. Darf ich die E-Mail-Adresse von deinem Verleger haben?“ oder „Danke als Autorinnen Kollegin, dass du mir gezeigt hast, dass man alles veröffentlichen kann, egal wie schrecklich es ist“.

Die Realitätsferne der Geschichte wurde ebenso immer wieder kritisiert: „Warum sind Christians gute Eigenschaften, dass er heiß und reich ist? Wäre er arm und hässlich, hätte Ana die Polizei gerufen?“, „Wenn ich ein Mädchen stalke und ihr Auto mit GPS lokalisiere, heißt es dann, es ist wahre Liebe?“

oder „Ich brauche einen Ratschlag für eine große romantische Geste. Soll ich einen GPS-Sender in ihr Telefon installieren und sie bedrohen, falls sie gehen will?“.

Ebenso wird die Fanfiction-Entstehung von „50 Shades of Grey“ angegriffen: „Wie viel Abstand musst du zu Stephenie Meyers halten?“

oder „Ärgert es dich nicht, dass du nie eine originelle eigene Idee für ein Buch hattest?“

Wo ist die Grenze und was ist unter der Gürtellinie?

Viel Kritik, die E. L. James da einstecken musste. Und zurecht wurde auch hinterfragt, ob diese Fragestunde eine gute Idee war. Um ein Lehrbeispiel an Shirtstorm zu etablieren, eignet sich dieser Hashtag allemal. Doch es gibt auch Stimmen, die die Menschlichkeit hochhalten. Denn Kritik mag zwar an jedem Buch berechtigt sein, doch der Ton macht auch hier die Musik. Einige der voran erwähnten Aussagen gehen unter die Gürtellinie und sind jenseits von respektvollem Umgang mit Menschen. Natürlich sehen auch die Fans, dass man an „50 Shades of Grey“ kritisieren kann. Sachliche Kritik ist immer berechtigt. Die Sprache ist gegenüber manchem Literaturklassiker natürlich kein stilistischer Wurf. Auch hinkt die Vergleichbarkeit zum SM in der Realität. All dem muss sich „50 Shades of Grey“ natürlich stellen – wenn es sachlich formuliert ist. Ob der Vorwurf der Verherrlichung von häuslicher Gewalt wirklich gerechtfertig ist, das mag jeder für sich selbst entscheiden. Denn all die Kritiker scheinen eins zu vergessen: Es ist ein Buch. Es ist Fiktion. Es ist frei erfunden und hat nicht den Anspruch, die Wahrheit zu erzählen. Oder hat jemand je Stephenie Meyers so angegriffen, dass es doch in Wirklichkeit keine Vampire gibt? Wurde J. K. Rowling angegriffen, dass zaubern in der Realität nicht möglich ist? Trotzdem haben Bella und Edward, Harry Potter und seine Freunde genauso viele Fans. Denn eben das ist den Millionen Fans egal. Für sie ist es eben eine Geschichte, die sie gerne lesen. Es ist immer leicht Kritik zu äußern, gerade im anonymen World Wide Web. Aber sachliche Kritik erfordert Wissen, Verstand und Respekt. Diese ist sicher jedem Autor willkommen. Angriffe unter der Gürtellinie beweisen nur eins: die schlechten Manieren der Tweeter.

Doch zwischen all den vielen sarkastischen und ironischen Kritiken gab es auch ernste Anfragen, deren Antworten vielleicht die Fans erfreuen wird. Ein Fan wollte unter anderem wissen, ob E. L. James weitere Bücher schreibt. Die Autorin antwortete allem Shirtstorm zum Trotz: „Ich habe ein neues Buch geschrieben und bin halb durch ein anderes. Beides Romanzen. Ich bin nicht sicher, ob ich sie vollende.“ Bleibt zu hoffen, dass Erika sich von der Kritik nicht allzu sehr beindrucken lässt.

Welche Kritikpunkte an Shades of Grey findest du berechtigt?

Ergebnis

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