Mögliche Szenarien zeigt ein Roman von Nora Amelie

Kein anderes Buch hat in so kurzer Zeit die Herzen der Frauen weltweit erobert, wie der Erotikbestseller von E. L. James. Für kein anderes Buch scheinen sich Leser so sehr zu schämen, wie für dieses. Und kein anderes Buch wird unser Leben so eindrücklich verändern. Nicht? Oh doch!

Es ließen sich reihenweise Indizien dafür aufführen. Wann hat die Verfilmung eines Romans schon Monate vor der Premiere dermaßen hohe Wellen geschlagen? Waren jemals zuvor Leser (und Verweigerer) eines Buches in so kontrovers geführte Diskussionen um sexuelle Neigungen verstrickt? Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass dieser Romanstoff für zahlreiche Analysen sorgt, die irgendwie alle das Eine herauszufinden gedenken: Welche Folgen hat FIFTY SHADES OF GREY für ganz normale Paare?

Autorin Nora Amelie ist weit weg davon, über diese Frage theoretische Betrachtungen anzustellen. Statt dessen schreibt sie Geschichten darüber. Solche, wie sie auch das echte Leben bietet, meinen Leserstimmen. In ihrem Roman INSEL DER NACHTIGALLEN unterliegt die Protagonistin Theresa, wie Millionen andere Frauen, der Faszination von SoG. Das mag zum einen darauf zurückzuführen sein, dass sie ohnehin „undersexed“ ist. Auf die „ehelichen Pflichten“ haben weder sie noch ihr Mann Lust und ein Ende dieses Ausstandes ist nicht in Sicht. Zum anderen aber fühlt sie sich von dem Bestseller inspiriert. Die erotischen Bilder, die sich beim Lesen in ihrem Kopf einnisten, drängen heraus. Und sie weiß sich nicht anders zu helfen, als sie aufzuschreiben.

Das allein wäre noch kein Grund zur Sorge für Ehemann Tom. Doch er liest diese Texte mit zunehmendem Unmut. Was Theresa beschreibt, geht weit über das hinaus, was er bereit wäre, mit ihr zu tun. In einem Anflug von Panik engagiert er kurzerhand einen Liebhaber für seine Frau. Und gibt sich der Hoffnung hin, dass Theresa, käme sie endlich auf ihre Kosten, reumütig in seine Arme zurückkehren würde. Ein fataler Fehler …

Autorin Amelie lässt ihre Hauptfiguren beinahe zeitlupenartig in die Katastrophe steuern. Was sich für Theresa zunächst nach einem Traumurlaub auf einer Insel anfühlt, entpuppt sich als gefühlsmäßige Achterbahnfahrt. Mit einem Damoklesschwert darüber, dessen Spitze bereits für erste Verletzungen gesorgt hat.

Auszug:

… „Das Buch ist schuld“, sagte sie. „Wenn ich dieses Buch nicht gelesen hätte, wäre jetzt alles wie früher.“

„Du meinst SHADES OF GREY?“, wollte er wissen.

Sie nickte. „Tom hat gesagt, es wäre eine Gefahr für unsere Ehe.“

„Eine weise Erkenntnis“, murmelte er und schenkte Tee nach. „Aber ist das nicht ein bisschen Bilderstürmerei?“

„Vielleicht. Trotzdem hat es seine Wirkung nicht verfehlt.“ Sie beugte sich vor, griff nach ihrer Tasse und blies vorsichtig hinein. „Dabei ist es nicht einmal besonders gut geschrieben.“

Jon setzte sich ihr gegenüber in einen der altmodischen Sessel. „Das tut wenig zur Sache“, meinte er. „Der Plot trifft einen Nerv bei euch Frauen. Das zählt.“

Immer wieder sinnieren die Protagonisten dieser Geschichte über den Erotikbestseller. Über männliche Männer und das Erotisierende von Kontrollverlust. Über sexuelle Phantasien und die Möglichkeiten, diese auszuleben.

Die heftige Affäre mit dem bestellten Liebhaber führt letztlich dazu, dass Theresa nicht nur neue Leidenschaften entdeckt, sondern auch ihre Ehe in Frage stellt. Sie ist bereit, auf alles zu verzichten, wenn sie denn nur endlich zu sich selbst finden kann. Und dafür geht sie viel weiter, als sie es sich jemals hätte vorstellen können.

Auszug:

… Sie holte sich ein Szenario aus einem ihrer Lieblingsromane in den Sinn. Sie dachte sich an die Stelle der devoten Sub und fragte sich, was dran war an diesem Zustand der völligen Auflösung. Von dem es immer hieß, es fühle sich an wie fliegen. Was war es, dieses Fliegen? War es vergleichbar mit einem Superorgasmus? Mit der Euphorie, die sie spürte, wenn sie in einem Flugzeug abhob? Oder war dieser Zustand nur eine Erfindung von Autoren, um die Phantasie ihrer Leser zu beflügeln? …

An im wahrsten Wortsinn fesselnden Szenen mangelt es in Amelies Roman ebenso wenig wie in SHADES OF GREY. Obwohl das Spiel mit der Dominanz hier deutlich subtiler verläuft. Aber das ist gerade die Quintessenz des Ganzen: Eine schrittweise Annäherung an die dunkle Begierde, die in Teil 2 schließlich eine eindeutige Sprache findet.

Bleibt die Frage: Kann das, was der Hauptfigur Theresa im Roman INSEL DER NACHTIGALLEN widerfährt, tatsächlich passieren, wenn man in den Sog von SoG gerät? Die Leser von Nora Amelie sind sich in ihrer Meinung weitgehend einig: Ja, „die Geschichte könnte genau so passiert sein.“

Nora Amelie: INSEL DER NACHTIGALLEN. Erotischer Liebesroman in zwei Teilen.

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